Gesundheitsausgaben in Österreich

Gesundheitsausgaben in Österreich laut „System of Health Accounts“ – Ergebnisse

Die Tabelle „Überblick - Gesundheitsausgaben in Österreich“ laut „System of Health Accounts (SHA)“ stellt die Entwicklung der Gesundheitsausgaben in Österreich für die Jahre 2004 bis 2020 dar. Die Gesundheitsausgaben nach SHA setzen sich aus den laufenden Gesundheitsausgaben und den Investitionen im Gesundheitsbereich zusammen.

Im Jahr 2020 betrugen die nach SHA berechneten laufenden Gesundheitsausgaben in Österreich 43.524 Mio. Euro oder 11,5% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP ist im Vergleich zu 2019 (10,5%), vor allem bedingt durch den Rückgang des BIPs, um 1 Prozentpunkt gestiegen. Darüber hinaus entfielen 3.048 Mio. Euro auf Investitionen im Gesundheitsbereich. Im Zeitraum von 2004 bis 2020 stiegen die laufenden Gesundheitsausgaben (zu laufenden Preisen) im Durchschnitt um 3,9%. Der Anstieg vom Beginn der Zeitreihe im Jahr 1990 bis 2020 machte durchschnittlich 4,8% pro Jahr aus. Gemessen als Anteil am BIP, legten die laufenden Gesundheitsausgaben in der gesamten Periode 1990 bis 2020 von 7,8% auf 11,5% zu.

Gesundheitsausgaben im Jahr 2020 zur Bewältigung der COVID-19 Pandemie

In den Gesundheitsausgaben 2020 fanden auch erstmalig die Ausgaben zur Bekämpfung der COVID-19 Pandemie Eingang. Es konnten 1.416 Mio. Euro an öffentlichen laufenden Ausgaben identifiziert werden, die zur Bewältigung der gesundheitsrelevanten Aspekte der Pandemie aufgewendet wurden. Mit 523 Mio. Euro entfiel der größte Anteil auf Aufwendungen für Schutzausrüstung, sowohl für Gesundheitseinrichtungen (z.B. Krankenanstalten, niedergelassener Bereich, stationäre und häusliche Pflege, Rettungsdienste), als auch für den Einsatz in anderen Bereichen (Heer, allgemeine Verwaltung, etc.). Im Rahmen von Testungen bei Verdachtsfällen, Screeningprogrammen und Massentestungen, etc. wurden 361 Mio. Euro aufgewendet. Für das Contact Tracing und Quarantänemaßnahmen fielen im Jahr 2020 Aufwendungen in Höhe von 98 Mio. Euro an. Weitere pandemiebedingte Mehraufwendungen in Höhe von 434 Mio. Euro sind zum Beispiel für das Krankentransportwesen bzw. den Zivildienst, für Informationsmaßnahmen (inkl. Informationskampagnen, 1450-Gesundheitshotline, etc.), diverse Maßnahmen für Gesundheitseinrichtungen (Zuschüsse an Gesundheitseinrichtungen, Gehaltsboni, etc.) und für die Krisenstäbe der Länder getätigt worden.

Darüber hinaus sind in den laufenden Gesundheitsausgaben für das Jahr 2020 auch weitere Aufwendungen zur Bekämpfung der COVID-19 Pandemie enthalten, die allerdings nicht separat darstellbar sind. Dazu zählen beispielsweise Ausgaben bezüglich der Behandlung von an COVID-19 erkrankten PatientInnen oder Ausgaben der privaten Haushalte für Schutzmaterial oder COVID-19-Testungen in Labors.

Aufgrund der eingeschränkten Inanspruchnahme von gewissen medizinischen Leistungen konnten in bestimmten Bereichen für das Jahr 2020 auch Rückgänge der laufenden Gesundheitsausgaben beobachtet werden (z.B. zahnärztliche Leistungen, therapeutische Hilfsmittel, Rehabilitations- und Kurleistungen, etc.).

In den Gesundheitsausgaben gemäß SHA nicht berücksichtigt sind über die gesundheitlichen Maßnahmen zur Bewältigung der Pandemie hinausgehende Wirtschaftshilfen und Unterstützungsleistungen (z.B. Kurzarbeitsbeihilfen, Umsatzersatz, Fixkostenzuschuss, sonstige Unterstützungszahlungen an Unternehmen und an bestimmte Berufs- und Bevölkerungsgruppen, etc.).

Laufende Gesundheitsausgaben – Öffentlich

Die öffentlichen laufenden Gesundheitsausgaben beinhalten Ausgaben des Bundes, der Länder, der Gemeinden und der Sozialversicherungsträger und betrugen im Jahr 2020 33.275 Mio. Euro, dies entsprach einem Anteil von 76,5% an den gesamten laufenden Gesundheitsausgaben. Werden die öffentlichen Investitionen hinzugezählt, erhöhen sich die öffentlichen Ausgaben auf 34.901 Mio. Euro.

Von den öffentlichen laufenden Gesundheitsausgaben für das Jahr 2020 entfiel mit 44,8% der größte Anteil auf Leistungen der stationären Gesundheitsversorgung inklusive stationäre Pflegeleistungen. Neben den Ausgaben für ambulante Leistungen, für welche 26,4% der öffentlichen laufenden Gesundheitsausgaben aufgewendet wurden, waren die pharmazeutischen Erzeugnisse und medizinische Ge- und Verbrauchsgüter (12,9%) sowie die häusliche Pflege (7,6%) die wesentlichsten Ausgabenkategorien.

Die oben genannten öffentlichen laufenden Aufwendungen zur Bekämpfung der COVID-19 Pandemie in Höhe von 1.416 Mio. Euro sind als Teilmenge in den Leistungskategorien stationäre und ambulante Gesundheitsversorgung, aber auch in der häuslichen Pflege, im Krankentransport und vor allem in der Ausgabenkategorie Prävention enthalten. Diese Aufwendungen sorgen für einen Anstieg der öffentlichen Gesundheitsausgaben für Prävention im Vergleich zum Jahr 2019 um 105,4%.

Im Zeitraum von 2004 bis 2020 stiegen die öffentlichen laufenden Ausgaben von 17.267 Mio. Euro auf 33.275 Mio. Euro. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung von 4,2%. In der gesamten Periode von 1990 bis 2020 wuchsen die Ausgaben jährlich um 4,9% im Mittel.

Der durchschnittliche jährliche Anstieg im Zeitraum 2004 bis 2020 war in den Bereichen Prävention (8,1%) sowie Krankentransport und Rettungsdienste (5,6%) am stärksten. Deutlich unter dem Durchschnitt der jährlichen Steigerung der öffentlichen laufenden Gesundheitsausgaben (4,2%) lag hingegen das durchschnittliche jährliche Wachstum in den Bereichen häusliche Pflege (3,3%) und pharmazeutische Erzeugnisse und medizinische Ge- und Verbrauchsgüter (3,2%).

Laufende Gesundheitsausgaben – Privat

Die privaten laufenden Gesundheitsausgaben beinhalten Ausgaben der privaten Haushalte und der Versicherungsunternehmen, der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck (POoE) sowie Ausgaben der Unternehmen für betriebsärztliche Leistungen, wobei private Haushalte und Versicherungsunternehmen den größten Teil dieser Ausgaben tätigten. Letztere finanzierten wiederum Ausgaben für stationäre und ambulante Leistungen, pharmazeutische Erzeugnisse und medizinische Ge- und Verbrauchsgüter sowie für die Verwaltung der Gesundheitsversorgung im Bereich der privaten Krankenversicherungen. Für die Zeitreihe 2004 bis 2020 sind die ambulanten Leistungen aufgeteilt in ambulante Gesundheitsversorgung, häusliche Pflege, Krankentransport und Rettungsdienste sowie Prävention verfügbar.

Private Haushalte und Versicherungsunternehmen gaben im Jahr 2020 9.454 Mio. Euro für Gesundheitsleistungen aus. Für die ambulante Gesundheitsversorgung wurden 32,0% aufgewendet, für pharmazeutische Erzeugnisse und medizinische Ge- und Verbrauchsgüter 29,3% und für Leistungen der stationären Gesundheitsversorgung 25,9%. Weitere 8,5% wurden für die Verwaltung der Gesundheitsversorgung, 2,4% für häusliche Pflege und 1,4% für Prävention ausgegeben, während 0,5% auf Krankentransport und Rettungsdienste entfielen.

Die Ausgaben der privaten Haushalte und Versicherungsunternehmen wuchsen von 5.900 Mio. Euro im Jahr 2004 auf 9.454 Mio. Euro im Jahr 2020 an, dies kommt einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 3,0% gleich. Im gesamten Zeitraum von 1990 bis 2020 stiegen die Ausgaben um 4,4% im Durchschnitt pro Jahr.

Ein starkes Wachstum über die Periode 2004 bis 2020 ist bei der häuslichen Pflege zu verzeichnen, die durchschnittlichen jährlichen Ausgaben wuchsen um 16,0%. Dieser Anstieg lässt sich u.a. dadurch begründen, dass ab 2008 Daten für die 24-Stunden-Betreuung berücksichtigt worden sind. Betrachtet man nur die Hauskrankenpflege ohne 24-Stunden-Betreuung, liegt das Wachstum bei 7,2%. Das zweitgrößte Wachstum bei den privaten Ausgaben verzeichnete mit 4,4% Krankentransport und Rettungsdienste, gefolgt von Prävention und Verwaltung der Gesundheitsversorgung mit jeweils 3,1%.

Die laufenden Gesundheitsausgaben der POoE und der Unternehmen betrugen 706 Mio. Euro bzw. 89 Mio. Euro im Jahr 2020. Die mittleren jährlichen Zuwächse der POoE-Ausgaben für Gesundheitsleistungen von 5,0% und der Unternehmen von 5,1% über die Periode 2004 bis 2020 lagen deutlich über den Ausgabensteigerungen der privaten Haushalte und Versicherungsunternehmen (3,0%).

Investitionen

Die Entwicklung im Gesundheitsbereich zeigt, dass die Leistungserbringer im Gesundheitswesen ihre Investitionen von 1.517 Mio. Euro im Jahr 2004 auf 3.048 Mio. Euro im Jahr 2020 steigerten. Davon entfielen im Jahr 2020 1.625 Mio. Euro (53,3%) auf öffentliche Investitionen (u.a. für Fondskrankenanstalten) und 1.422 Mio. Euro (46,7%) auf private Investitionen (z.B. niedergelassene Allgemein-, Fach- und Zahnärzte). Das durchschnittliche jährliche Wachstum zwischen 2004 und 2020 lag bei 4,5%, in der gesamten Periode von 1990 bis 2020 stiegen die Investitionen um 4,8% im Mittel pro Jahr.

Gesundheitsausgaben nach den SHA Dimensionen: HF, HP und HC

Die Gesundheitsausgaben laut SHA stellen die laufenden Gesundheitsausgaben (ohne Investitionen) nach den Finanzierungssystemen (HF), den Erbringern von Gesundheitsleistungen (HP) sowie den Gesundheitsleistungen und -gütern (HC) dar. Anhand dieser Dimensionen können eine dreidimensionale und drei zweidimensionale Tabellen zur effizienten Darstellung der Gesundheitsausgaben erzeugt werden. Darüber hinaus wurden im SHA zur separaten Identifikation und Klassifizierung jener laufenden Gesundheitsausgaben, die im Zusammenhang mit der Bewältigung der COVID-19 Pandemie getätigt wurden, eigene Memorandum Items (HC.COV.1 bis HC.COV.5) geschaffen.

In Österreich wurden im Jahr 2020 43.524 Mio. Euro für die laufende Gesundheitsversorgung ausgegeben. Von diesen entfielen 14.539 Mio. Euro oder 33,4% auf das Finanzierungssystem Staat (HF.1.1), während das Finanzierungssystem Sozialversicherungsträger (HF.1.2.1) 18.736 Mio. Euro oder einen Anteil von 43,0% finanzierte.

Die privaten Haushalte (HF.3) wendeten im Jahr 2020 in Summe 7.314 Mio. Euro für Gesundheitsleistungen und -güter auf, dies entspricht einem Anteil von 16,8% an den gesamten laufenden Gesundheitsausgaben. Davon wurden 9,5% durch Kostenbeteiligungen der privaten Haushalte im Rahmen der Sozialversicherungsträger aufgebracht (HF.3.2.1).

Die freiwilligen Krankenversicherungen (HF.2.1) finanzierten 4,9%, die POoE (HF.2.2) 1,6% und die Unternehmen (HF.2.3) 0,2% der gesamten laufenden Gesundheitsausgaben. Damit finanzierten die freiwilligen Systeme der Gesundheitsfinanzierung (HF.2) in Summe 6,7% der gesamten laufenden Gesundheitsausgaben im Jahr 2020.

Nach Leistungserbringern (HP) betrachtet entfiel 2020 der größte Teil der laufenden Gesundheitsausgaben mit 16.851 Mio. Euro bzw. 38,7% auf Krankenanstalten (HP.1). Finanziert wurden diese zu 46,7% durch das Finanzierungssystem der Gebietskörperschaften Bund, Länder und Gemeinden (HF.1.1) und zu 45,7% durch das Finanzierungssystem Sozialversicherungsträger (HF.1.2.1). Der restliche Anteil von 7,6% wurde großteils von freiwilligen Krankenversicherungen (HF.2.1) und privaten Haushalten (HF.3) aufgebracht. Von den 16.851 Mio. Euro für Krankenanstalten flossen 13.488 Mio. Euro in die stationäre kurative sowie rehabilitative Versorgung (HC.1.1, HC.2.1), 193 Mio. Euro wurden für tagesklinische kurative Leistungen (HC.1.2), 3.076 Mio. Euro für ambulante kurative Leistungen (HC.1.3) und 94 Mio. Euro für Präventionsleistungen verwendet.

Für den niedergelassenen Bereich (HP.3) wurden 9.692 Mio. Euro oder 22,3% der laufenden Gesundheitsausgaben zur Verfügung gestellt. Davon entfielen 4.328 Mio. Euro auf niedergelassene Allgemeinärztinnen und Allgemeinärzte bzw. Fachärztinnen und Fachärzte (HP.3.1) und 1.981 Mio. Euro auf niedergelassene Zahnärztinnen und Zahnärzte (HP.3.2). Die restlichen 3.383 Mio. Euro wurden in Praxen von Angehörigen anderer Gesundheitsberufe (HP.3.3) und ambulanten Zentren (HP.3.4) sowie für Erbringer häuslicher Gesundheitsleistungen (HP.3.5) aufgewendet. Der größte Teil der Mittel zur Finanzierung der ambulanten Leistungserbringer (HP.3) stammte mit 55,8% (5.405 Mio. Euro) von den Sozialversicherungsträgern (HF.1.2.1). Weitere 30,5% (2.957 Mio. Euro) wurden von den privaten Haushalten (HF.3) finanziert, wobei 252 Mio. Euro dieser Aufwendungen durch Selbstbehalte (HF.3.2.1) erbracht wurden. Die übrigen 13,7% der laufenden ambulanten Gesundheitsausgaben wurden vom Finanzierungssystem Staat (HF.1.1), von freiwilligen Krankenversicherungen (HF.2.1) sowie den POoE (HF.2.2) beigesteuert.

Auf Apotheken und den Einzelhandel (HP.5) entfielen in Summe 15,0% der laufenden Gesundheitsausgaben, wobei 4.546 Mio. Euro an Apotheken (HP.5.1) und 1.979 Mio. Euro an den Einzelhandel (HP.5.2, HP.5.9) flossen. Zu 58,4% finanzierten die Sozialversicherungsträger (HF.1.2.1) Güter dieser Kategorie (HP.5). Die privaten Haushalte (HF.3) trugen 2.518 Mio. Euro bzw. 38,6% der gesamten Aufwendungen für Apotheken und den Einzelhandel (HP.5), wovon 14,7% durch Kostenbeteiligungen mit den Sozialversicherungsträgern (HF.3.2.1) gedeckt wurden.

Die laufenden Ausgaben für Wohn- und Pflegeheime (HP.2) beliefen sich im Jahr 2020 auf 3.796 Mio. Euro und somit auf einen Anteil von 8,7% an den gesamten laufenden Gesundheitsausgaben. Der Großteil dieser Ausgaben (91,1%) wurde für stationäre Langzeitpflegeleistungen (HC.3.1) aufgewendet. Die restlichen 8,9% fielen für stationäre rehabilitative Leistungen (HC.2.1) und tagesklinische Langzeitpflege (HC.3.2) an. Mit einem Finanzierungsanteil von 62,2% trug das Finanzierungssystem Staat (HF.1.1) den Großteil der Aufwendungen für Pflegeheime. 32,7% der Mittel wurden von den privaten Haushalten (HF.3) finanziert und weitere 5,2% von den POoE (HF.2.2).

Für Erbringer von Hilfsleistungen der Gesundheitsversorgung (HP.4) wurden 2020 3,0% der gesamten laufenden Gesundheitsausgaben bzw. 1.311 Mio. Euro aufgewendet. Davon entfielen 790 Mio. Euro auf Ambulanz und Rettungsdienste (HP.4.1), die zu 35,8% von POoE (HF.2.2), zu 32,6% von den Sozialversicherungsträgern (HF1.2.1) und zu 26,2% vom Finanzierungssystem Staat (HF.1.1) finanziert wurden. Auf medizinische und diagnostische Labore entfielen 521 Mio. Euro, die in erster Linie (80,3%) von den Sozialversicherungsträgern (HF.1.2.1) getragen wurden.

Die laufenden Ausgaben für Prävention (HC.6) betrugen für das Jahr 2020 1.559 Mio. Euro, davon wurden 71,6% vom Finanzierungssystem Staat (HF.1.1) geleistet. Die Sozialversicherungsträger (HF.1.2.1) und die privaten Haushalte (HF.3) kamen für einen Anteil von 13,1% bzw. 8,1% der Ausgaben für Präventionsleistungen auf. Die restlichen Aufwendungen wurden von Unternehmen (HF.2.3), POoE (HF.2.2) und freiwilligen Krankenversicherungen (HF.2.1) getragen.

Für die Verwaltung der Gesundheitsversorgung und Gesundheitssystemfinanzierung (HC.7) fielen im Jahr 2020 Ausgaben in der Höhe von 1.775 Mio. Euro an. Auf Ebene der Finanzierungssysteme verteilen sich diese Verwaltungsausgaben zu 7,8% auf die Gebietskörperschaften (HF.1.1), zu 46,7% auf die Sozialversicherungsträger (HF.1.2.1) und zu 45,5% auf die freiwilligen Krankenversicherungen (HF.2.1).

Unter der Kategorie sonstige Wirtschaftszweige (HP.8) wurden im Jahr 2020 2.449 Mio. Euro verbucht. Es handelt sich dabei einerseits um private Haushalte als Erbringer von häuslichen Pflegeleistungen (HP.8.1) mit 2.120 Mio. Euro im Jahr 2020 und um sonstige Wirtschaftszweige als sekundäre Produzenten von Gesundheitsleistungen (HP.8.2) mit Ausgaben in Höhe von 329 Mio. Euro. In Kategorie HP.8.2 sind zum Beispiel Ausgaben für Gesundheitsleistungen in Justiz- und Heereseinrichtungen inkludiert.

Für die Kategorie übrige Welt (HP.9), welche Einrichtungen im Ausland enthält, die Gesundheitsdienstleistungen an Gebietsansässige erbringen, wurden im Jahr 2020 insgesamt 327 Mio. Euro ausgegeben. Davon entfielen 64,6% auf ambulante kurative Leistungen (HC.1.3) und 26,4% auf stationäre Leistungen (HC.1.1, HC.2.1). Innerhalb der ambulanten kurativen Leistungen beliefen sich die zahnärztlichen Leistungen auf 112 Mio. Euro bzw. 53,2%.

Zudem wurden öffentliche laufende Gesundheitsausgaben zur Bewältigung der COVID-19 Pandemie in Höhe von 1.416 Mio. Euro gemäß den international vorgesehenen COVID-19 Memorandum Items klassifiziert. Ersichtlich sind diese Memorandum Items im österreichischen Kontext in der Tabelle „Laufende Gesundheitsausgaben nach Gesundheitsleistungen und -gütern und Finanzierungssystemen in Österreich für das Jahr 2020“. Wie oben bereits erwähnt sind in den laufenden Gesundheitsausgaben für das Jahr 2020 darüber hinaus auch weitere Aufwendungen zur Bekämpfung der COVID-19 Pandemie enthalten, die allerdings bislang nicht separat darstellbar sind und daher auch nicht in den Memorandum Items enthalten sind. Der Behandlung von COVID-19 PatientInnen (HC.COV.1) konnten 14 Mio. Euro zugeordnet werden. Dieser Betrag bezieht sich jedoch lediglich auf die Behandlung in temporären Notspitälern („Barackenspitälern“). Aufwendungen für COVID-19 Testungen und Contact Tracing (HC.COV.2) beliefen sich auf 459 Mio. Euro. Die übrigen 943 Mio. Euro wurden unter sonstige im Zusammenhang mit COVID-19 getätigte Aufwendungen (HC.COV.5) verbucht. Darunter fallen unter anderem Aufwendungen für Schutzausrüstung, für diverse Maßnahmen in Gesundheitseinrichtungen und für Informationsmaßnahmen. Die Kategorie HC.COV.3 ist für Aufwendungen im Rahmen von COVID-19-Impfungen bestimmt, in HC.COV.4 sind Ausgaben für medizinische Güter im Zusammenhang mit COVID-19 (Endverbrauch) zu verbuchen. Beiden Memorandum Items konnten im Jahr 2020 keine Aufwendungen zugeordnet werden.

Öffentliche laufende Gesundheitsausgaben für landesgesundheitsfondsfinanzierte Krankenanstalten (Fondskrankenanstalten)

Die öffentlichen laufenden Gesundheitsausgaben für Fondskrankenanstalten stehen sowohl differenziert nach Finanzierungssystemen als auch nach stationären (inklusive tagesklinischen) und ambulanten Leistungen je Bundesland zur Verfügung. Bei Fondskrankenanstalten handelt es sich um Akutkrankenanstalten in öffentlicher und privater Trägerschaft, welche über die neun Landesgesundheitsfonds (teil)finanziert werden. Sie repräsentieren, mit 86,4% (2020) aller Aufenthalte von Patientinnen und Patienten, die wichtigste Gruppe der österreichischen Spitäler.

Auf die öffentlichen laufenden Ausgaben für Fondskrankenanstalten entfielen 12.638 Mio. Euro im Jahr 2019 und 13.470 Mio. Euro im Jahr 2020. Dies entspricht einem Anstieg von 6,6% gegenüber dem Vorjahreswert. Dieses Wachstum liegt über der durchschnittlichen Wachstumsrate von 4,4% pro Jahr seit 2004 (6.747 Mio. Euro). Die COVID-19 Pandemie hatte maßgeblichen Einfluss auf das Leistungsgeschehen in den Fondskrankenanstalten im Jahr 2020 und damit auch auf die Entwicklung der öffentlichen laufenden Gesundheitsausgaben für Fondskrankenanstalten. So kam es einerseits in ausgewählten stationären und ambulanten Bereichen zu Leistungsrückgängen im Vergleich zum Vorjahr. Dies ist beispielsweise auf die Verschiebung von elektiven Eingriffen, weniger durch Unfälle verursachte Aufenthalte, aber auch auf ein generell reduziertes PatientInnenaufkommen (abseits von COVID-19) zurückzuführen. Andererseits fielen jedoch pandemiebedingte Aufwendungen vor allem für Schutzausrüstung, Gehaltsboni und diverse Sicherheitsmaßnahmen an. Der ausgabensteigernde Effekt der COVID-19 Mehraufwendungen überstieg die Abschwächung des Ausgabenwachstums durch Leistungsrückgange, weshalb eine überdurchschnittliche Wachstumsrate von 6,6% im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen ist. Außerdem erlaubte der angesprochene Leistungsrückgang die notwendige Bündelung von personellen und materiellen Ressourcen für die Versorgung von COVID-19 PatientInnen.

Das wichtigste Finanzierungssystem stellen die Sozialversicherungsträger (HF.1.2.1) mit 5.828 Mio. Euro oder 43,3% im Jahr 2020 dar. Der Bund (HF.1.1.1), die Länder (HF.1.1.2.1) und die Gemeinden (HF.1.1.2.2) trugen jeweils mit 1.672 Mio. Euro, 4.617 Mio. Euro, und 1.353 Mio. Euro zur Finanzierung bei. Das Finanzierungssystem Staat (HF.1.1) konzentrierte damit insgesamt 56,7% der öffentlichen Ausgaben für Fondskrankenanstalten auf sich. Der Anteil des Finanzierungssystem Staat (HF.1.1.) liegt somit über dem Anteil des Vorjahres (55,1%), was nicht zuletzt den Ausgaben im Zusammenhang mit der COVID-19 Pandemie geschuldet ist, welche vor allem durch Bund und Länder finanziert wurden. Auf Ebene der einzelnen Finanzierungssysteme verzeichneten der Bund und die Länder auch das stärkste Wachstum im Vergleich zum Vorjahr mit 19,2% bzw. 8,7%. Die Länder stellten zusätzliche Mittel zur Verfügung, um durch die COVID-19 Pandemie bedingte Mehraufwendungen zu finanzieren. Bei den zusätzlichen Aufwendungen des Bundes handelt es sich um Refundierungen eines Teils dieser Aufwendungen nach dem COVID-19-Zweckzuschussgesetz und Beschaffungen von Schutzausrüstung im Wege des Österreichischen Roten Kreuzes. Da der Refundierungsprozess an die Länder für das Jahr 2020 zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht abgeschlossen ist, kann sich die Zuordnung der Finanzierung auf die einzelnen Finanziers – besonders jene auf Bund und Länder – bei der Aktualisierung der hier publizierten Daten noch ändern.

Die öffentlichen laufenden Ausgaben für stationäre (inklusive tagesklinische, HC.1.1, HC.1.2) und ambulante Leistungen (HC.1.3) in den österreichischen Fondskrankenanstalten standen im Jahr 2020 im Verhältnis 78,3% (10.543 Mio. Euro) zu 21,7% (2.927 Mio. Euro). Dabei variierte der Anteil der öffentlichen Ausgaben für stationäre Gesundheitsleistungen zwischen 82,5% in Vorarlberg und 76,5% in Salzburg.

Die höchsten öffentlichen laufenden Ausgaben im Jahr 2020, gegliedert nach Standort der Fondskrankenanstalt, entfielen auf Wien mit 3.821 Mio. Euro, Oberösterreich mit 2.256 Mio. Euro und Niederösterreich mit 2.182 Mio. Euro. Am anderen Ende der Skala befinden sich die Fondskrankenanstalten Vorarlbergs und Burgenlands mit 536 Mio. Euro bzw. 307 Mio. Euro an öffentlicher Finanzierung. Die laufenden Ausgabenbeteiligungen der einzelnen öffentlichen Finanzierungssysteme sind in den Bundesländern zumeist sehr unterschiedlich. Die Spannweite reichte im Jahr 2020 von einem 45,5%-Anteil der Länder (HF.1.1.2.1) an den öffentlichen laufenden Ausgaben für Fondskrankenanstalten in Wien zu einem Länderanteil von 25,3% in Oberösterreich. Die Gemeinden (HF.1.1.2.2) steuerten im Jahr 2020 in Niederösterreich 19,5% der öffentlichen laufenden Ausgaben für Fondskrankenanstalten bei, während in Wien der Anteil bei 1,2% lag. Ein wenig stabiler ist der Anteil der Sozialversicherungsträger (HF.1.2.1) an den öffentlichen laufenden Ausgaben für Fondskrankenanstalten über alle Bundesländer hinweg: Die öffentlichen laufenden Ausgaben der Fondskrankenanstalten im Burgenland wurden zu 53,9% und jene Niederösterreichs zu 37,0% durch die Sozialversicherungsträger (HF.1.2.1) gedeckt. Der Bund (HF.1.1.1) beteiligte sich bei den öffentlichen laufenden Ausgaben für Fondskrankenanstalten am deutlichsten in Tirol mit 14,0% und am geringsten im Burgenland mit 10,2% der Gesamtsumme im jeweiligen Bundesland. Die hier deutlich werdende Heterogenität in der Finanzierungsstruktur der Fondskrankenanstalten ist zum überwiegenden Anteil auf die landesspezifischen gesetzlichen Regelungen zurückzuführen und wird im Jahr 2020 auch von den bereits erläuterten Effekten der COVID-19 Pandemie zusätzlich beeinflusst.

Hintergrund zur Gesundheitsausgabenrechnung in Österreich

Die hier präsentierten Ergebnisse der Gesundheitsausgabenrechnung folgen den Regeln des „System of Health Accounts“ (SHA). Dieses System von umfassenden, konsistenten und international vergleichbaren Gesundheitskonten wurde im Mai 2000 erstmals von der OECD in Form des Manuals „A System of Health Accounts“ veröffentlicht. Inzwischen liegt eine – von OECD, Eurostat und WHO – revidierte Fassung des Manuals (A System of Health Accounts, 2011 Edition) vor.

Im Projektjahr 2015/2016 wurden – entsprechend der Durchführungsverordnung der Europäischen Kommission (EU 2015/359) – die Gesundheitsausgaben für Österreich erstmals auf Basis des revidierten Manuals (2011) berechnet. Die gemäß Durchführungsverordnung von den EU-Mitgliedsstaaten verpflichtend zu liefernden Daten umfassen, dem SHA-Manual (2011) folgend, die laufenden Gesundheitsausgaben untergliedert nach den drei SHA-Dimensionen Finanzierungssystem (HF), Leistungserbringer (HP) und Gesundheitsleistungen und -güter (HC). Die Verordnung selbst sieht eine Gültigkeit von 6 Jahren (2016-2022) vor, dies entspricht einer Zeitreihe von 2014 bis 2020. Eine neue Durchführungsverordnung (EU 2021/1901) ist im Jahr 2021 in Kraft getreten. Die erste Datenlieferung auf Basis dieser neuen Verordnung wird in weiterer Folge im Jahr 2023 für das Berichtsjahr 2021 stattfinden.

Die österreichischen Gesundheitsausgaben laut SHA stehen derzeit für die Jahre 1990 bis 2003 basierend auf dem ursprünglichen Manual der OECD (2000) und für die Jahre 2004 bis 2020 basierend auf der revidierten Version des Manuals von OECD, Eurostat und WHO (2011) zur Verfügung.

Beide Versionen des Manuals – die ursprüngliche (SHA 1.0) und die revidierte Fassung (SHA 2011) - stellen die laufenden Gesundheitsausgaben anhand der drei Kerndimensionen Finanzierung (HF), Leistungserbringer (HP) und Gesundheitsleistungen und -güter (HC) dar. Während es in den Kategorien Gesundheitsleistungen und -güter (HC) und Leistungserbringer (HP) nur zu kleinen Klassifikationsveränderungen (z.B. Schärfung der Definitionen einzelner Kategorien oder Überführung von vormaligen Unterkategorien zu eigenen Kategorien, etc.) gekommen ist, gab es im Bereich der Finanzierung (HF) konzeptionelle Veränderungen. Stand die Finanzierungsquelle (source of financing) und damit die institutionellen Einheiten (financing agents) bei SHA 1.0 im Vordergrund, werden nach SHA 2011 die Gesundheitsausgaben anhand von Finanzierungssystemen (financing schemes) klassifiziert. Finanzierungssysteme stellen in diesem Ansatz die Arten von Finanzierungsregelungen, durch die Personen Zugang zu Gesundheitsversorgung erhalten können, dar. Dabei werden die Finanzierungssysteme u.a. anhand von Teilnahmemodalitäten (verpflichtend oder freiwillig), der Basis von Anspruchsberechtigungen (z.B. universell oder beitragspflichtig), der Form der Finanzmittelbeschaffung (z.B. Steuereinnahmen oder Versicherungsbeiträge) und der Risikostreuung (z.B. subnational oder individuell) definiert.

Die Auswirkungen dieser Umstellung auf die österreichischen Gesundheitsausgaben nach SHA sind jedoch gering und die Vergleichbarkeit der Daten über die Zeit ist weitestgehend gewährleistet. In den Tabellen nach SHA-Dimensionen HF, HP, HC kam es ferner in einigen Kategorien - beispielsweise aufgrund der Umstellung auf das Konzept der Finanzierungssysteme oder der Überführung einer ehemaligen Unterkategorie in eine eigenständige Kategorie - zu leichten Verschiebungen.

Die Ergebnisse der Gesundheitsausgabenrechnung nach SHA dienen einerseits als Grundlage für politische Entscheidungen und können andererseits als wesentlicher Input im Bereich Gesundheitsforschung angesehen werden. Die österreichischen Gesundheitsausgaben nach SHA werden jährlich von Statistik Austria berechnet und an OECD, Eurostat und WHO gemeldet und sind somit Bestandteil einer international vergleichbaren Datenbasis für Gesundheitsausgaben.

Überblick - Gesundheitsausgaben in Österreich laut System of Health Accounts (SHA) 2004 - 2020
Gesundheitsausgaben in Österreich laut System of Health Accounts (SHA) 1990 - 2020
Laufende Gesundheitsausgaben nach Gesundheitsleistungen und -gütern, Leistungserbringern und Finanzierungssystemen in Österreich für das Jahr 2020
(Tabelle nur in Englisch verfügbar)
Laufende Gesundheitsausgaben nach Gesundheitsleistungen und -gütern und Leistungserbringern in Österreich für das Jahr 2020
(Tabelle nur in Englisch verfügbar)
Laufende Gesundheitsausgaben nach Leistungserbringern und Finanzierungssystemen in Österreich für das Jahr 2020
(Tabelle nur in Englisch verfügbar)
Laufende Gesundheitsausgaben nach Gesundheitsleistungen und -gütern und Finanzierungssystemen in Österreich für das Jahr 2020
(Tabelle nur in Englisch verfügbar)
Öffentliche laufende Gesundheitsausgaben für Fondskrankenanstalten nach Finanzierungssystemen und nach Bundesländern für das Jahr 2020

Infografik Gesundheitsausgaben 2020


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